Neuhaus an der Oste
 
Matthaei
 
 
   
Die Künstlerkolonie Duhnen

Anton Albers, 1877-1915 , Carl Biese, 1863-1926, Walter Conz, 1872-1947
Hermann Dauer, 1870-1925, Eduard Euler, 1867-1931, Anton Glück, 1869-1952
Prof. Carlos Grethe, 1864-1913, Prof. Franz Hein, 1863-1927
Franz Hochmann, 1861-1935, Prof.Karl Hofer, 1878-1955
Prof. (Karl Walter) Leopold von Kalckreuth , 1855-1928,
Prof.Friedrich Kallmorgen, 1856-1924, (Friederich) Wilhelm Laage, 1868-1930
Fritz Lang, 1877-1961, Prof. (Johannes Leopold) Carl Langhein, 1872-1941
Prof. Max Lieber, 1851-1918, Karl Otto Matthaei, 1863-1931, Hugo Mieth 1865-
Friedrich Mißfeld, 1874-1969 , Karl Neumann, 1872-1955
Alfred Nickisch, 1872-, (Christian) Julius Rehder, 1861-1955,
Prof. Gustav Schönleber, 1851-1917, Hans Schroeter, 1872-1957
Prof. Walter Strich-Chapell, 1877-1960, Prof. Emil Rudolf Weiß, 1875-1942
Ernst Wiemann, 1878-1912

Die Bildung von Künstlerkolonien in Deutschland, Frankreich, Skandinavien oder
Österreich im ausgehenden 19. und beginnenden 20.Jahrhundert war zweifellos Ausdruck eines völlig neuen künstlerischen Verständnisses.

maler
Die Worpsweder Maler Heinrich Vogeler und Fritz Overbeck, der Zevener Fotograf Hans Müller-Brauel und die Worpsweder Maler Fritz Mackensen und Otto Modersohn mit Herrmann Allmers im Sommer 1895 in Worpswede


Die Kunstschaffenden in Deutschland waren bestrebt, den überkommenen Muff des wilhelminischen Zeitalters abzustreifen und den überholten Traditionen ein Ende zu setzten.
Man malte überwiegend vor der Natur, verließ die staubigen Säle der Akademien.
Diese Entwicklung bedeutete aber auch die Flucht aus dem Umfeld der Großstädte, die wegen der zunehmenden Industrialisierung als unmenschlich empfunden wurden.
Die Gründe, warum sich heute so viele Menschen für die Malerei jener Karlsruher Kunstsschüler interessieren, die im Jahre 1895 in Duhnen bei Cuxhaven in der äußeren Spitze des Elbe-Weser-Gebietes eine Malerkolonie gründeten, sind unterschiedlicher Natur.Für die einen bedeuten die damaligen Vorgänge ein wichtiges Kapitel lokaler und regionaler Kunstgeschichte, das noch bis zum das Jahr 1980 weitgehend im Verborgenen lag.  Für andere Kunstinteressierte stehen möglicherweise Lebensweise und kleine Anekdoten dieses Künstlerkreises im Mittelpunkt der Betrachtung.

Karlsruher Künslter
In einer Gaststätte in Altenbruch planen die Karlsruher Künstler Matthaei, Laage, Euler und Mißfeld eine Auffürhung mit handgefertigten Puppen

Was jedoch die an der Kunst interessierten Menschen gleichermaßen anzieht und fasziniert, sind die vielen stimmungsvollen Bilder dieser Maler des Watts und der Küstenregion mit ihrer unmissverständlichen und klaren Aussage.
Die meisten dieser um die Jahrhundertwende hier tätigen Karlsruher Kunstschüler erschienen regelmäßig in den Sommermonaten, manche von Ihnen kamen in unregelmäßigen Abständen und  einigen wenige nur zu gelegentlichen Aufenthalten.
Dieser Künstlerkreis wurde also nicht  in den Maße ansässig, wie das beispielsweise in der bekannten Worpsweder Künstlerkolonie an 1889 der Fall war.
Bedeutsam ist, dass in den Jahren zwischen 1895-1903 dieser Künstlerkolonie alljährlich in die beschauliche Idylle der Cuxhavener  Küstenregion und des Niederelberaumes zurückkehrte.
Diese Künstler waren keineswegs der Beginn hiesigen Kunstschaffens, denn schon lange vorher beherbergte dieser norddeutsche Küstenstrich mit seinen mannigfaltigen landschaftlichen reizen so manchen Künstler zu Studienaufenthalten, zumal im Sommer, wenn es galt, an der alten Liebe oder auf der Insel Neuwerk nach geeigneten Motiven für die Staffelei zu suchen.

Trotz alledem gilt: Erst Professor Carlos Grethe und seine Malschüler, die seit 1895 zu regelmäßigen Malaufenthalten nach Duhnen gelangten, sorgten für eine Künstlerische Verbreitung heimischer Motive.
Wir entdeckten schmucke Fischerkaten und Bauernhäuser, die zwar klein, aber niemals ärmlich wirken, wir fühlen die friedvolle Atmosphäre von Himmel und Meer, wir sehen vom Sturm zersauste Birken auf der Geest, die den Gesamteindruck von Einsamkeit, Ruhe und Beschaulichkeit verstärken.
Prof. Carlos Grethe, der für die Sommerferien nach Cuxhaven ging, hat die Malschüler aufgefordert sich ihm anzuschließen und als billigen Aufenthalt das nahebei gelegene Duhnen empfohlen.
Duhnen war damals ein kleines Fischer-Bauerndorf, dunkle, moosbewachsene Strohdächer, die auf niedrigen roten Backsteinmauern ruhten, Sandwege, graugrünes Dünengras, spärliche, von ewigem Seewind gekrümmte Bäume und raues Strauchwerk, inmitten des Dorfes ein Tümpel. In Duhnen gab es kein Manifest der Künstler, denn es bedurfte keiner besonderen programmatischen Aussagen oder Lehrinhalte. Maßgebend für ein gedeihliches Werken waren die zwischenmenschlichen Beziehungen.
Jahre ungetrübten Frohsinns verstrichen. Der sich vollziehende Wandel trieb die Maler zunächst in das benachbarte Altenwalde, wo sie im Gasthaus „Zur Linde“ Quartier nahmen.  In demselben Maße aber, wie Duhnen mit der Zeit als Badeort stieg, musste es für die Maler als Studienplatz endgültig verlieren. Das zunehmende Badeleben und die dadurch bedingte Bauwut machten den Ort bald so sehr zu einer in sich widerspruchsvollen Erscheinung, dass den Malern ein Wiederkommen verleidet wurde. So zogen Sie sich endgültig nach dem stillen Altenwalde zurück.
Die Maler kehrten am Enden des 19. Jahrhunderts Jahr für Jahr nach Altenwalde zurück, von dort aus wurde die Umgebung mit dem angrenzenden Land Hadeln nach allen Himmelsrichtungen durchwandert und erschlossen.
Im Nachlass des Malers Karl Otto Matthaei befindet sich ein Gemälde, auf dem der Meister sich selbst abgebildet hat. Er sitzt am Tisch und liest Zeitung  in einem der alten verwinkelten Neuhäuser Hinterhöfe. Zahlreiche weiter Ansichten von Neuhaus als Zeichnung, als graphische Arbeiten oder in Öl gemalt entstehen, eine alte Werft, die Schmiede, malerische Bauernhöfe, die Bockwindmühle oder die von Bäumen eingesäumte Neuhäuser Deichstraße mit den uralten Fachwerkhäusern. Zahlreiche dieser Motive wurden schon kurze Zeit darauf in den bekannten lithographischen Anstalten und Verlagen von B.G. Teubner oder R. Voigtländer in Leipzig in verschiedenen Formaten im gesamten Deutschen Reich vertrieben.
Der Höhepunkt künstlerischer Entfaltung war das Jahr 1895. In diesem Jahr waren die Malschüler besonders zahlreich vertreten. Bedingt durch die im gleichen Jahr - nämlich 1899 - einsetzenden Streitigkeiten innerhalb der Professorenschaft in Karlsruhe und dem damit verbundenen Wechsel der Prof. Graf Leopold von Kalckreuth, Robert Poetzelberger und Carlos Grethe an die Stuttgarter Akademie, veränderten sich Gefüge und Grundlage auch für den Künstlerkreis des Cuxhavenern Raumes. Die Reihen der Malerkolonie lichteten sich und nur einige klangvolle Namen hielten den malerischen Winkeln der Niederelberegion weiterhin der Treue.
Vor allem Wilhelm Lage, Franz Hochmann, Hermann Dauer und Karl Otto Matthaei verlebten hier weitere Malsommer und konnten einzigartigen Küstenlandschaften noch über Jahre neue Impressionen abgewinnen.
Die Küste bietet bekanntlich seit langem keine Unberührtheit mehr, denn sie hat sich in den vergangenen 100 Jahren zu einem beachtlichen Zentrum für Tourismus entwickeln. Die einstige Beschaulichkeit lässt sich nur noch hier und da erahnen, und was Duhnen, Altenwalde, Altenbruch, Otterndorf, Neuhaus und zahlreiche weitere benachbarten Dörfer Cuxhavens zu wahren Schätzen und häufig aufgesuchten Künstlerorte für die Karlsruher Akademieschüler machte, hat seit Jahrzehnten keine Bedeutung mehr. Geblieben ist eine Vielzahl schöner Gemälde, Zeichnungen und Graphiken, die uns beim Betrachten über den Lärm des Alltages hinausführen.

Karl Otto Matthaei

Bis 1916 war Karlsruhe Matthaeis offizieller Wohnsitz, allerdings regelmäßig unterbrochen durch seine alljährlichen Studien-und Malaufenthalte an der Nordsee und im Niederelberaum.
1903 unterrichtetet Matthaei in Otterndorf seine ersten Malschülerinnen, unter denen sich auch die 35jährige Agnes H.I. von Holten befand, einziges Kind des Kommodore John Georg von Holten aus Hamburg.
Am 28.06.1905 fand die Hochzeit mit Agnes H.I. von Holten in Hamburg statt, wo Matthaei
zwischenzeitlich Fuß zu fassen suchte und bis 1906 ansässig blieb, bevor die junge Familie nach Karlsruhe übersiedelte.
Umzug von Karlsruhe nach Bremen erfolgte 1916. Auf anraten des damaligen Direktors der Bremer Kunsthalle, Dr.Pauli, sowie des Kulturhistorische Museums, Dr.Schäfer, war die Wahl auf Bremen gefallen, wo die Familie zunächst ein Landhaus in der Nähe der Bremer Kunsthalle bezog. Matthäi war langjähriger Vorsitzender des Bremer Künstlerbundes und wurde 1924 zu dessen Ehrenmitglied ernannt.
1930 folgte die Ernennung zum Ehrenpräsidenten des Verbandes Nordwestdeutscher Künstler, was die große Wertschätzung seiner Persönlichkeit unterstreicht.
Das letzte Ölgemälde von Matthaei entstand 1931 in Bremer Bürgerpark.
Karl Otto Matthaei verstarb am 19.12.1931.
Mit seinen Werken hat Karl Otto Matthaei der Landschaft  zwischen Elbe und Weser ein unvergängliches Denkmal gesetzt, denn  außer ihm haben nur wenige bildenden Künstler diese Region, die er bis an sein Lebensende bereiste, so bekannt gemacht wie er.
Auszüge sind aus dem Buch Maler im Watt und an der Küste
Die Künstlerkolonie Duhnen von Peter Bussler
Verlag im Bauernhaus, Fischerhude
ISBN 978-88132-542-4

 

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